Wie fĂŒhlen sich die Beteiligten?

Frau Fleming ist immer noch verunsichert. Hat sich die Situation zwischen den MÀdchen wieder eingerenkt oder gar zugespitzt? Vorsichtig fragt sie am Abend nach. Lara erzÀhlt ihr, dass sie und Sara sich gestern noch gehörig in WhatsApp gezofft hÀtten. Heute sei Sara aber auf sie zugegangen und sie haben sich ausgesprochen. Plötzlich bricht Lara in TrÀnen aus. Frau Fleming ist erschrocken, nimmt ihre Tochter in den Arm und versucht sie zu beruhigen. Als sich Lara gefasst hat, erzÀhlt sie ihrer Mutter wie froh sie ist, dass die Sache mit Sara so glimpflich ausgegangen ist. In der Klasse ist nÀmlich ein Junge, den beschimpfen die anderen seit Wochen, und Lara traut sich einfach nicht, einer Lehrkraft Bescheid zu geben. Frau Fleming stockt der Atem.

Die Sicht der aktiv beteiligten Jugendlichen
Viele MĂ€dchen und Jungen, die gegen andere hetzen, wurden zuvor selbst einmal gemobbt. DarĂŒber hinaus kennen sich die beteiligten MĂ€dchen und Jungen meist persönlich.

Worum geht es ihnen nun bei Cyber-Mobbing? Oft schaukeln sich Auseinandersetzungen hoch. Was der eine als Spaß gemeint hat, ist fĂŒr den anderen ein persönlicher Angriff. HĂ€ufig sind es MissverstĂ€ndnisse, die vor allem unter Menschen, die sich nicht so gut kennen, dazu fĂŒhren, dass eine Situation eskaliert. Immer wieder wollen Heranwachsende ‚Dampf abzulassen‘, z. B. weil ein MĂ€dchen oder ein Junge neidisch oder eifersĂŒchtig ist, sich geĂ€rgert hat oder verletzt fĂŒhlt und sich nun rĂ€chen möchte. Oftmals geht es dabei um die eigene Akzeptanz innerhalb der Gruppe. Heranwachsende suchen mit diesem Vorgehen einen Weg, die eigene Stellung zu festigen oder zu verbessern. Schließlich kann Cyber-Mobbing fĂŒr die Agierenden vermeintlich auch zur Unterhaltung oder Belustigung dienen. Vor allem die Tatsache, dass Menschen sich online mutiger fĂŒhlen als offline, fĂŒhrt dann dazu, dass sie ĂŒber das Ziel hinaus schießen.

Die Sicht des Betroffenen
MĂ€dchen und Jungen, die ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum hinweg online gedemĂŒtigt und angegriffen werden, leiden enorm. Niemand steckt so etwas einfach weg. Neben der Wut ĂŒber das, was mit einem gemacht wird, fĂŒhlen sich die meisten hilflos oder schĂ€men sich sogar fĂŒr ihre Lage. Das GefĂŒhl, selbst etwas wert zu sein, leidet stark in solchen Situationen. Viele ziehen sich schließlich zurĂŒck, wollen z. B. nur ungern in die Schule gehen. Auch psychosomatische Beschwerden, wie z. B. Kopfschmerzen oder Schlafstörungen, sind eine mögliche Folge. In außergewöhnlich dramatischen FĂ€llen kann Cyber-Mobbing auch zu Selbsttötung oder Amoklauf fĂŒhren.

Die Sicht der Zuschauenden
Wie Lara bekommen auch die meisten jungen Nutzerinnen und Nutzer Cyber-Mobbing als Außenstehende mit. Sie sind somit die Personengruppe, die Cyber-Mobbing am wirkungsvollsten verhindern kann. Wenn Nebenstehende erfolgreich in Mobbing-Situationen eingreifen, erhöht dies das GefĂŒhl, selbst etwas bewirken zu können. Sie fĂŒhlen sich fĂŒr andere verantwortlich.

HĂ€ufig handeln die jungen Zuschauerinnen und Zuschauer jedoch eher abwartend. Sie wĂ€gen die Folgen, die ein Eingreifen fĂŒr sie bringt, genau ab. FĂŒr sie ist es wichtig, nicht selbst zur Zielscheibe des Geschehens zu werden. Ein weiterer Grund fĂŒr ein Nicht-Eingreifen ist: Gerade im Jugendalter ist es fĂŒr MĂ€dchen und Jungen wichtig, unabhĂ€ngig zu werden. Das bedeutet auch Schwierigkeiten selbst regeln zu lernen. Wenn Jugendliche Mobbing mitbekommen, schĂ€tzen sie die Situation hĂ€ufig so ein, dass die Beteiligten ihre Probleme selbstbestimmt lösen sollten. Oder sie haben das GefĂŒhl, die Sache gehe sie nichts an. Wenn es sich bei einem der beteiligten MĂ€dchen und Jungen allerdings um eine gute Freundin oder einen guten Freund handelt, stellen sich Außenstehende meist bedingungslos auf deren beziehungsweise dessen Seite – auch wenn diese Freundin oder dieser Freund einen anderen Menschen mobbt.

Viele Jugendliche, die andere online mobben, haben selbst bereits Erfahrungen als Betroffene gemacht. DarĂŒber hinaus kennen sich die beteiligten MĂ€dchen und Jungen meist persönlich. Bei jungen Nutzerinnen und Nutzern, die ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum hinweg online gedemĂŒtigt und angegriffen werden, wirkt sich das sehr negativ auf ihr GefĂŒhlsleben aus. Die meisten MĂ€dchen und Jungen bekommen Cyber-Mobbing jedoch als Außenstehende mit. Sie sind die Personengruppe, die Cyber-Mobbing am wirkungsvollsten verhindern kann.