FAQ / Hilfe

Was sind Medien ĂŒberhaupt?
Medien ist ein Sammelbegriff fĂŒr alle Mittel und Verfahren zur Verbreitung von Informationen, Bildern, Nachrichten etc. Umgangssprachlich werden mit Medien hĂ€ufig Massen-Medien bezeichnet. Dazu zĂ€hlen insbesondere die Presse (Zeitungen, Zeitschriften), der Rundfunk (Hörfunk, Fernsehen) und das Internet.


Internet, Netz, Social Web – was ist das?
Wenn in dieser BroschĂŒre von Netz oder Internet gesprochen wird, ist das sogenannte Social Web gemeint. Der Begriff Social Web setzt sich aus dem englischen social (sozial, gesellschaftlich, gesellig) und web (Netz, Netzwerk) zusammen. Mit Social Web werden Online-Angebote bezeichnet, bei denen Nutzerinnen und Nutzer selbst auch Inhalte einstellen können und die zudem den Austausch von Nutzenden untereinander ermöglichen. Soziale Netzwerke wie Facebook sind die bekanntesten Angebotsformen im Social Web.


Was sind Soziale Netzwerke?
Soziale Netzwerke sind besondere Internetangebote, die durch ihre Struktur dazu anregen, sich selbst zu prĂ€sentieren, mit anderen in Kontakt zu treten und ihnen RĂŒckmeldung auf das zu geben, was sie tun. Unterschieden werden können Soziale Netzwerke in

  • kommunikativ-orientierte Angebote, bei denen eher der Austausch untereinander im Vordergrund steht (z. B. Facebook, Twitter).
  • produktiv-orientierte Angebote, bei denen die PrĂ€sentation von eigenen Werken wie Videos oder Fotos zentral ist (z. B. YouTube, Instagram, Flickr).

Was ist ein (Instant-)Messenger?
(engl. instant: sofortig; messenger: Bote)
Ein (Instant-)Messenger ist ein Kommunikationsdienst, bei dem zwei oder mehr Personen Nachrichten, bestehend aus Text, Fotos, Videos etc., austauschen. Ein Messenger ermöglicht eine Kommunikation mit dem Chatpartner beziehungsweise der -partnerin, die ohne zeitliche Verzögerung ablÀuft. Bekannte Messenger sind z. B. Skype, MSN, Threema oder WhatsApp.


Was ist mit Cyber-Mobbing gemeint?
Cyber-Mobbing bezeichnet gezielte, ĂŒber eine lĂ€ngere Phase und ĂŒber das Social Web ausgeĂŒbte aggressive Verhaltensweisen einer oder mehrerer Personen gegenĂŒber einer anderen Person.


Warum sollte man nicht von TĂ€tern und Opfern sprechen?
Im Fall von Cyber-Mobbing ist es schwierig, aus den eigenen Rollen auszubrechen und sich wieder auf Augenhöhe zu begegnen. Mit Begriffen wie TÀterin beziehungsweise TÀter und Opfer werden Jugendliche auch sprachlich auf die jeweilige Rolle festgelegt. Somit wird schon durch die Wortwahl eine RealitÀt geschaffen, die die Situation bestÀtigt und verstÀrkt: Die einen sind die Starken, die anderen die Schwachen. Sinnvoll ist es deswegen, auf die Begriffe zu verzichten und von MÀdchen und Jungen, die an Cyber-Mobbing beteiligt oder davon betroffen sind, zu sprechen


Wie kann Cyber-Mobbing aussehen?
Was bei Cyber-Mobbing geschieht, kann unterschiedlich sein. Medien entwickeln sich weiter und somit hat Mobbing im Netz auch viele Gesichter. Dennoch gibt einige Vorgehensweisen die veranschaulichen, wie Cyber-Mobbing funktioniert.

  • Facebook, WhatsApp und Co. werden dazu genutzt andere zu belĂ€stigen und zu beleidigen.
  • Online werden ĂŒble GerĂŒchte ĂŒber die Betroffenen verbreitet, um ihren Ruf zu schĂ€digen.
  • Persönliche Details, wie z. B. ĂŒber die sexuelle Orientierung, werden im Internet veröffentlicht um die Person bloßzustellen.
  • Im Netz wird Heranwachsenden angedroht, dass sie verprĂŒgelt werden.
  • MĂ€dchen und Jungen beschimpfen sich online aufs Heftigste.
  • Junge Nutzerinnen und Nutzer, die ihr GegenĂŒber fertig machen wollen, tun dies mit Hilfe eines gefĂ€lschten Accounts (Fake-Account).
  • Personen werden aus Gruppen in Messengern oder Sozialen Netzwerken gelöscht oder gar nicht erst zugefĂŒgt, um sie zu demĂŒtigen und aus dem Freundeskreis auszuschließen.

Was ist das Recht am eigenen Bild?
Aus rechtlicher Perspektive darf niemand ungefragt in die Öffentlichkeit gebracht werden. Abbildungen, also Fotos und Videos, von Menschen dĂŒrfen nur dann veröffentlicht werden, wenn die gezeigte Person damit einverstanden ist. Das ist das sogenannte Recht am eigenen Bild. MinderjĂ€hrige genießen sogar einen besonderen Schutz: Korrekterweise muss hier die Zustimmung durch die Erziehungsberechtigten gegeben sein. Heimliche Aufnahmen oder Aufnahmen im sogenannten „höchstpersönlichen Lebensbereich“ (z. B. in einer Umkleidekabine) sind immer verboten und dĂŒrfen auch nicht veröffentlicht werden.


Was besagt das Urheberrecht?
HĂ€ufig bewegen sich Jugendliche beim Urheberrecht in Grau-Zonen. In diesen FĂ€llen ist (noch) nicht eindeutig geklĂ€rt, was erlaubt beziehungsweise verboten ist. Das Anschauen von Video-Streams ohne diese herunterzuladen oder das Einbetten von fremden Videos auf eigene Seiten sind solch unklaren Bereiche. UrheberrechtverstĂ¶ĂŸe beim Hochladen beziehungsweise Weiterverbreiten geschĂŒtzter Werke sind in der Regel schwerwiegender als beim Herunterladen. Um also beim Verwenden und Verbreiten von Inhalten auf der sicheren Seite zu bleiben, gilt die Faustregel: Genutzt werden darf, was man selber gemacht hat. ZulĂ€ssig sind auch sogenannte freie Inhalte. Dazu gehören zum Beispiel Werke, die unter einer Creative Commons-Lizenz (von engl. creative commons, kreatives Allgemeingut) stehen. Bei diesen Musiktiteln, Bildern oder Videos etc. erlauben die KĂŒnstlerinnen und KĂŒnstler, dass ihre Werke kostenlos genutzt und verbreitet werden. HĂ€ufig sind damit bestimmte Bedingungen verbunden, wie z. B., dass ihr Namen genannt werden muss. Freie Musik findet man z. B. bei jamendo.com, Fotografien bei flickr.com.


Welche Möglichkeiten gibt es im Fall von Cyber-Mobbing aus juristischer Perspektive ?
Der Schutz der MenschenwĂŒrde und das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit sind jeweils im deutschen Grundgesetz (Art. 1 Abs. 1 und Art. 2 Abs. 1 GG) verankert. Diese beiden Artikel bilden die Basis fĂŒr die gesetzliche Regelung zum Schutz der Persönlichkeit. Das allgemeine Persönlichkeitsrecht (APR) ist ein absolutes, umfassendes Recht auf Achtung und Entfaltung der Persönlichkeit. Das Recht am eigenen Bild, das Recht der persönlichen Ehre und der Schutz des eigenen Namens sind Teil dessen und vor allem mit Blick auf die Nutzung digitaler Medien interessant. Ebenfalls entscheidend ist in diesem Zusammenhang das sogenannte Recht auf informationelle Selbstbestimmung. Das heißt, jeder Mensch darf grundsĂ€tzlich selbst entscheiden, wie sie oder er sich in der Öffentlichkeit darstellen will.

Strafrecht: Um diese Rechte zu schĂŒtzen, gibt es im Strafrecht konkrete Verbotsnormen. Hierzu gehören die ĂŒble Nachrede (§ 186 StGB), Verleumdung (§ 187 StGB), strafbare Nötigungen (§ 240 StGB), Bedrohungen (§ 241 StGB) und Nachstellungen (§ 238 StGB). DarĂŒber hinaus ist es strafbar, eine Person gegen ihren Willen oder ohne ihr Wissen in einer Wohnung oder einem Ă€hnlich geschĂŒtzten Raum aufzunehmen, wenn dadurch ihre IntimsphĂ€re verletzt wird (§ 201a Abs. 1 StGB). In § 22 des sogenannten Kunsturhebungsgesetzes (KunstUrhG) ist schließlich noch festgeschrieben, dass Abbildungen von Personen nur mit deren Einwilligung öffentlich zur Schau gestellt werden dĂŒrfen. Hierbei gibt es jedoch einige Ausnahmen. So dĂŒrfen z. B. Bilder von Versammlungen (mindestens fĂŒnf Personen) auch ohne Einwilligung der Abgebildeten veröffentlicht werden.

VerstĂ¶ĂŸe gegen all diese Verbote sind Straftaten und können deswegen bei Polizei oder Staatsanwaltschaft angezeigt werden. Allerdings kann im Fall von Cyber-Mobbing oft wenig bewirkt werden, da die TĂ€terin beziehungsweise der TĂ€ter hĂ€ufig nur mit sehr großem beziehungsweise unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸigem Aufwand gefunden werden kann. ZusĂ€tzlich können auch schulrechtliche Ordnungsmaßnahmen ergriffen werden, sofern ein Bezug zwischen den strafbaren Handlungen und der Schule besteht. Internet-Anbieter, die ihren Sitz in Deutschland haben, sind darĂŒber hinaus verpflichtet, strafbare Inhalte aus ihrem Angebot zu entfernen. TatsĂ€chlich ist es jedoch so, dass die bei Ă€lteren Kindern und Jugendlichen beliebtesten Angebote ihren Sitz meist nicht in Deutschland haben.

Zivilrecht: Bei Cyber-Mobbing geht es in erster Linie darum, das aggressive Handeln zu stoppen. Dies nennt man ‚Unterlassung‘. Wird das allgemeine Persönlichkeitsrecht verletzt gibt es auch im Zivilrecht mehrere Ansatzpunkte, wie Betroffene ihre Rechte durchsetzen können.

  1. In einem ersten Schritt kann informell dazu aufgefordert werden, das schÀdigende Handeln zu Àndern und weitere Anfeindungen zu unterlassen.
  2. Hilft dies nicht oder ist die Angelegenheit zu ernst, kann eine sogenannte ‚Abmahnung‘ sinnvoll sein. In einem förmlichen Brief wird die aktiv am Cyber-Mobbing beteiligte Person oder Personengruppe aufgefordert, das Handeln, das auch konkret beschrieben wird, zu Ă€ndern. Mit einer solchen Abmahnung ist immer auch die Aufforderung verbunden, eine rechtsverbindliche ErklĂ€rung abzugeben, das Handeln zu unterlassen (‚UnterlassungserklĂ€rung‘).
  3. Ist auch die Abmahnung kein hilfreicher Weg, kann beim zustÀndigen Gericht eine sogenannte Unterlassungsklage erhoben werden. So kann eine Unterlassung eingeklagt werden. Gibt das Gericht der Klage statt und wird das Urteil rechtskrÀftig, drohen den aktiv beteiligten MÀdchen oder Jungen empfindliche Folgen, wenn sie ihr Tun nicht Àndern.
  4. Als weitere Möglichkeit gibt es schließlich auch noch die ‚einstweilige VerfĂŒgung‘, ein Schnellverfahren fĂŒr besonders dringende FĂ€lle. Einstweilige VerfĂŒgungen können deswegen auch nur innerhalb einer bestimmten Zeit nach der Rechtsverletzung bei Gericht beantragt werden. Je nach Gericht sind das zwischen drei und vier Wochen. Der Vorteil von einstweiligen VerfĂŒgungen ist, dass sie innerhalb weniger Wochen durchgesetzt werden können, um einen Mobbing-Fall zu beenden.

Welche Konfliktformen kennen junge Nutzerinnen und Nutzer?
Eltern sind bei Problemen im Netz oftmals nicht die ersten Ansprechpartner beziehungsweise Ansprechpartnerinnen fĂŒr ihre Kinder. Das kann ganz unterschiedliche GrĂŒnde haben. Viele MĂ€dchen und Jungen haben das GefĂŒhl, dass Erwachsene nicht wissen, wie das mit Auseinandersetzungen im Netz so lĂ€uft. Da Jugendliche Online-Konflikte wesentlich differenzierter wahrnehmen als viele Erwachsene denken, ist es fĂŒr Eltern hilfreich, die Sichtweise ihrer Kinder zu verstehen. Mit diesem Wissen ist es möglich, Situationen, die sich zuspitzen, frĂŒhzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.
Heranwachsende unterscheiden zwischen folgenden Konflikt-Formen:

  • Spaß-Streit: Unter Spaß-Streit verstehen MĂ€dchen und Jungen eine spaßhafte Als-Ob-Auseinandersetzung. Derartige spaßige Streitigkeiten sind Teil ihres Alltags und werden sehr hĂ€ufig online ausgetragen. Äußerungen wie „HDF“ (Halt die Fresse) mĂŒssen also keine aggressive Äußerung sein. Ein Umstand, der aus Erwachsenenperspektive oft nur schwer nachzuvollziehen ist.
  • Meinungsverschiedenheiten: Mit Meinungsverschiedenheiten oder Diskussionen beschreiben Heranwachsende das Ausdiskutieren inhaltlicher Differenzen. Meinungsverschiedenheiten besitzen durchaus einen ernsthaften Kern. Sie können auch sprachlich aggressiv formuliert sein. Das heißt jedoch nicht, dass sie keinen Spaß machen. Manche MĂ€dchen und Jungen zeigen sich regelrecht diskussionsfreudig, andere versuchen solchen Auseinandersetzungen aus dem Weg zu gehen.
  • Streit: Im Gegensatz zur Meinungsverschiedenheit betrifft Streit weniger die inhaltliche Auseinandersetzung, sondern vielmehr die Beziehungsebene zwischen den Streitenden. Streit wird also als etwas Emotionales und Ernsthaftes beschrieben. Deshalb ist das Netz auch fĂŒr viele Jugendliche nicht der richtige Ort, um einen Streit auf Augenhöhe auszutragen.
  • (Cyber-)Mobbing: Unter dem Begriff Cyber-Mobbing beziehungsweise Mobbing fassen junge Nutzerinnen und Nutzer (unabhĂ€ngig von den Definitionen der Fachliteratur) alles, was nach ihrem moralischen VerstĂ€ndnis zu weit fĂŒhrt. Sie distanzieren sich meist vehement von Cyber-Mobbing. Das heißt jedoch nicht, dass sie noch keine Erfahrungen mit dem gemacht haben, was andere – Erwachsene, andere Kinder und Jugendliche, Fachleute etc. – als Cyber-Mobbing bezeichnen wĂŒrden. Sie sehen es nur hĂ€ufig nicht so.

Wo findet sich weitere Hilfe und Beratung?

Informationsangebote im Netz:

  • webhelm: www.webhelm.de ist die Plattform fĂŒr einen souverĂ€nen Umgang Jugendlicher im Netz. Sie umfasst vielfĂ€ltige Handlungsanregungen und Informationen fĂŒr Jugendliche, Eltern und pĂ€dagogische FachkrĂ€fte. Neben Konflikten im Netz widmet sich die Seite auch den Themen Urheberrecht, Persönlichkeitsrechte und Datenschutz.
  • Klicksafe: www.klicksafe.de bietet ein umfassendes Informationsangebot zu Themen rund ums Netz. Darunter finden sich auch Materialien zu Cyber-Mobbing.
  • iRIGHTS info: Auf www.irights.info werden unterschiedliche Fragen zu Urheberrecht und weiteren Rechtsgebieten beantwortet. Ein Dossier zum Thema Cyber-Mobbing findet sich unter www.irights.info/cyber-mobbing-cyberbullying-und-was-man-dagegen-tun-kann-2.
  • Juuuport: www.juuuport.de ist eigentlich ein Beratungsangebot von Jugendlichen fĂŒr Jugendliche. In den Foren können jedoch auch Eltern nachlesen, welche Tipps bereits gegeben wurden.
  • Mobbing-Schluss damit! Die Website www.mobbing-schluss-damit.de beinhaltet verstĂ€ndlich aufbereitete Informationen zum Thema Mobbing. In einem Bereich werden Eltern direkt angesprochen.
  • KIM und JIM Studien: Seit 1999 fĂŒhrt der MedienpĂ€dagogische Forschungsverbund SĂŒdwest regelmĂ€ĂŸig Basisstudien zum Stellenwert der Medien im Alltag von Kindern (6 bis 13 Jahre) und Jugendlichen (zwölf bis 19 Jahre) durch. Allgemeine Entwicklungen und Trends kontinuierlich abgebildet und dokumentiert. Weitere Infos unter: www.mpfs.de

Beratungsstellen:

  • Nummer gegen Kummer: Nummer gegen Kummer ist die Dachorganisation des grĂ¶ĂŸten telefonischen und kostenfreien Beratungsangebotes fĂŒr Kinder, Jugendliche und Eltern in Deutschland. Auf www.nummergegenkummer.de finden sich Hintergrundinformationen, Rufnummern und Sprechzeiten. Telefon fĂŒr Eltern: 0800 111 0550; Sprechzeiten: Mo. – Fr. 9.00 – 11.00 Uhr, Di und Do 17.00 – 19.00 Uhr
  • Bundeskonferenz fĂŒr Erziehungsberatung e. V. (bke): Auf www.bke.de bietet die bke eine Beratungsstellen-Suche an. Das Onlineberatungsangebot fĂŒr Eltern findet sich auf www.eltern.bke-beratung.de. Hier werden Eltern von ausgebildeten und erfahrenen FachkrĂ€ften kostenlos beraten.
  • Schulpsychologie: www.schulpsychologie.de ist ein Informations- und Beratungsangebot zu schulpsychologischen Themen. FĂŒr Eltern ist ein eigener Bereich auf der Website eingerichtet. Auf der Seite kann man vor allem nachlesen, welche Schulpsychologin beziehungsweise welcher -psychologe fĂŒr den eigenen Wohnort zustĂ€ndig ist.